Klimaneutral: Was genau bedeutet das eigentlich?

Einsparung von CO2

Jeder hat es schon mal gelesen, gehört oder selbst benutzt. Dieses eine Wort: klimaneutral. Doch was bedeutet es eigentlich und warum wird diesem Wort so viel Gewicht beigemessen?

Den Begriff Klimaneutralität finden wir fast inflationär in jeder Branche wieder, ganz gleich, ob es um die Produktion von Kleidung und Kosmetikartikeln oder um CO₂‑neutrales Reisen geht – auch in der Energiewirtschaft hat dieses Wort eine große Bedeutung. Städte und Gemeinden, darunter auch Dinslaken, haben sich zum Ziel gesetzt, den Ausstoß von klimaschädlichem CO₂ zu senken und verstärkt den Fokus auf die Förderung von Erneuerbaren Energien zu legen. So hat sich unsere Landeshauptstadt Düsseldorf auf die Fahne geschrieben, bis zum Jahr 2035 pro Einwohner etwa 4,6 Tonnen CO₂ einzusparen.

Bergpark und  Windkraftanlage in Lohberg

Wann soll Klimaneutralität erreicht werden?

Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben sich 195 Länder zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 eine klimaneutrale Lebensweise herbeizuführen. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermeidung der globalen Erderwärmung um mehr als zwei Grad Celsius. Ein wesentlicher Punkt ist das Gleichgewicht zwischen den emittierten Treibhausgasen und deren Bindung durch Senken. Um dieses annähernd zu erreichen, müsste das durch den Menschen erzeugte CO₂ erheblich reduziert und gleichzeitig die natürlichen Ökosysteme wie Wälder und Moore, welche Treibhausgase aufnehmen und binden, stabilisiert und erhalten werden. Die Klimabilanz der Erde muss letztlich netto, sprich nach den Abzügen durch natürliche und künstliche Senken, Null betragen.

Wie wird der ökologische Fußabdruck tatsächlich kleiner?

Bei jeder Handlung und jedem Konsum des Menschen wird direkt oder indirekt Kohlenstoffdioxid ausgestoßen, welches im Rahmen des ökologischen Fußabdrucks eine weitere Emissionsquelle darstellt. Um diesen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, werden zwei Möglichkeiten genannt:

Möglichkeit: Vermeidung. Bei Unternehmen sollten die eigenen Produktions-, Lager- und Vertriebsprozesse so umgestellt werden, dass möglichst gar kein CO₂ emittiert wird, z. B. durch die Nutzung von klimafreundlichen Rohstoffen und klimafreundlicher Energie. Der Endverbraucher kann z.B. vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, klimafreundlich heizen oder bewusst auf Überseeprodukte oder auch Fleischkonsum verzichten.

Möglichkeit: Kompensation. Die entstandenen klimaschädlichen Gase werden nicht am Ort der Entstehung, sondern an einem anderen Ort auf der Welt, wo es günstiger ist, in gleicher Menge reduziert. In diesem Fall würde das produzierende Unternehmen, der Konsument oder der Reisende einen Geldbetrag an eine Organisation zahlen, die im Gegenzug ein Zertifikat ausstellt, das bescheinigt, dass die Emissionen kompensiert wurden. Das Geld setzt die Organisation dann meistens in Schwellen- und Entwicklungsländern ein, um dort Projekte zu finanzieren. Wie beispielsweise die Verhinderung der Abholzung von Regenwäldern, das Pflanzen von neuen Wäldern, den Aufbau regenerativer Energiequellen oder die Renaturierung von Moorgebieten.

Beide Möglichkeiten begünstigen die Reduktion von CO₂, also ist es doch eigentlich egal, welche der beiden Varianten gewählt wird, oder? Das stimmt nicht. Durch Kompensation werden Innovation und Entwicklung neuer CO₂-freier Produkte verlangsamt. Man beruhigt quasi sein Gewissen, weil man andere etwas für einen tun lässt, ohne sein eigenes Verhalten zu ändern. Deshalb verbietet die EmpCo-Richtlinie der EU auch, Produkte „klimafreundlich“ o. ä. zu nennen, wenn sich dies gar nicht auf das Produkt selbst bezieht, sondern nur auf die Kompensation.

Nachhaltig ist somit nur die erste Möglichkeit. Jeder sollte sich und sein Handeln hinterfragen, ob man nicht bereits im Kleinen etwas ändern kann. Berechnen Sie doch mal ehrlich Ihren Fußabdruck, z. B. mit dem Klimarechner vom WWF.

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