Partner auf Augenhöhe
ENNI und Stadtwerke Dinslaken wollen auf breiter Basis kooperieren
Dinslaken und Moers bereiten ein zukunftsweisendes Gemeinschaftsprojekt vor. Mit einer sogenannten Überkreuzbeteiligung könnten die kommunal dominierten Stadtwerke beider Städte schon in Kürze die bisherige enge energiewirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen. Nachdem die Aufsichtsräte der beteiligten Unternehmen,
Energie Wasser Niederrhein (ENNI) und Stadtwerke Dinslaken (SD), dem Plan grundsätzlich zugestimmt haben, sollen die Geschäftsführer nun Maßnahmen zur Umsetzung erarbeiten. Auf deren Basis sollen die Stadträte im Herbst grünes Licht für eine gegenseitige gesellschaftsrechtliche Verflechtung geben. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Dinslaken stellten die Bürgermeister beider Städte, Sabine Weiss (Dinslaken), die gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzende der SD ist sowie Norbert Ballhaus (Moers), Volker Marschmann als Aufsichtsratsvorsitzender der ENNI sowie die beiden Geschäftsführer Dr. Thomas Götz und Stefan Krämer wichtige Eckpunkte des Zukunftsprojektes vor. Hauptziele: „Wir wollen damit die günstige Preispolitik für unsere Bürger und die Bedeutung der Stadtwerke für die Region nachhaltig sichern“, so Sabine Weiss und Norbert Ballhaus unisono. „Ferner wollen wir gemeinsam die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung am Niederrhein, insbesondere in Dinslaken und Moers, langfristig sichern.“ Für ENNI vermeldete der Aufsichtsratsvorsitzende Volker Marschmann noch einen weiteren Paukenschlag. „Vor dem Hintergrund dieser neuen Entwicklungsperspektive wird Stefan Krämer ENNI-Geschäftsführer bleiben und nicht zur DEW 21 nach Dortmund wechseln.“
Starke Unternehmen
In den vergangenen Wochen hatten die Gremien intensiv die Vorteile einer stärkeren Kooperation beider Stadtwerke sondiert. Ein idealer
Zeitpunkt für zwei Unternehmen, die mit günstigen Preisen und positiven Unternehmensergebnissen gut aufgestellt sind. Nicht selbstverständlich, da im hart umkämpften Wettbewerbsmarkt bereits für zahlreiche kleine und mittelgroße Anbieter dunkle Wolken aufziehen. Auch deswegen halten es die beiden Geschäftsführer für konsequent, genau aus der jetzt so starken Ausgangsposition heraus, über neue Wege nachzudenken. „Vor dem Hintergrund steigenden Wettbewerbs und immer stärkerer gesetzlicher Regulierung wird der Kostendruck auch für unsere Unternehmen zunehmen“, beurteilen die beiden Geschäftsführer die Marktsituation. „Es wird für Unternehmen unserer Größenordnung alleine zunehmend schwerer, den Spagat zwischen günstiger, sicherer Versorgung und attraktiver Rendite zu bewältigen.“
Partei- und städteübergreifende Vision
Auch die Stadtoberhäupter sind von der Idee überzeugt. „Wir verfügen über unsere Stadtgrenzen hinweg über ein langjähriges gegenseitiges Vertrauen“, wollen Sabine Weiss und Bürgermeister Norbert Ballhaus deswegen weiter für diese Kooperation werben. Für Norbert Ballhaus wäre sie eine konsequente Fortsetzung eines mit ENNI in Moers bereits vor Jahren eingeschlagenen Weges. „Die städteübergreifende Partnerschaft hat sich für uns auch mit Neukirchen-Vluyn bewährt. Aus der Erfahrung heraus kann ich auch hier nur empfehlen, jenseits des Kirchturmdenkens zu entscheiden. Bürger und den Kommunen hat das in Moers und Neukirchen-Vluyn nur Vorteile gebracht.“ So ist es Plan, dass sich die ENNI und die SD bereits im Herbst jeweils zu fünf Prozent am anderen Unternehmen beteiligen. Zudem wollen sich die Unternehmen über die Geschäftsführer nach dem Vorsitzenden-Prinzip weiter verzahnen. „Jeder Geschäftsführer bleibt für sein Unternehmen alleine verantwortlich. Die Umsetzung der Zusammenarbeit soll dagegen gemeinsame Aufgabe sein. Der jeweils andere soll ferner die Vertretung bei Abwesenheit übernehmen.“
Partnerschaft auf Augenhöhe
Triebfeder dieses neuen Gedankens waren die positiven gemeinsamen Erfahrungen in der Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH und zuletzt beim Bau des ersten Biomasse-Heizkraftwerkes auf Moerser Boden. „Hier haben wir über Jahre ein intensives Vertrauensverhältnis in den Gremien, bei den Geschäftsführern und den Mitarbeitern aufgebaut“, ist auch Stefan Krämer sicher, dass beide Unternehmen ein gemeinsames Verständnis vom Markt und dessen Entwicklung haben. „Für die Kooperation sprechen zudem die räumliche Nähe sowie unsere vergleichbaren Unternehmensgrößen und Unternehmenskulturen. Wir sind Partner auf Augenhöhe.“
Fällen die Stadträte positive Entscheidungen, wollen die Geschäftsführer gemeinsam möglichst zahlreiche Themen angehen und sich so noch näher kommen. „Wir haben uns kennen und schätzen gelernt“, freuen sich Krämer und Götz. „Wir denken dabei beispielsweise daran, gemeinsam attraktive Produkte für unsere oder auch Kunden am Niederrhein zu entwickeln. Denkbar sind weitere gemeinsame Kraftwerksprojekte und Aktivitäten bei einer gemeinsamen Energiebeschaffung. Auch über Vorteile eines gemeinsamen Netzbetriebs oder einer Zusammenarbeit in den Dienstleistungsbereichen werden wir nachdenken. Die Umwelt soll ebenfalls profitieren. „Durch die gemeinsame Unterstützung des Fernwärmeverbundes am Niederrhein wird gewährleistet, dass unsere Kunden ihre Wärme zu mehr als 90 Prozent aus industrieller Abwärme, Kraft-Wärme-Kopplung und regenerativen Energien beziehen“, so Dr. Götz. „Dadurch sparen wir jährlich rund 120 000 Tonnen CO2 gegenüber herkömmlicher Wärmeerzeugung ein.“
Krämer reizt die enorme Perspektive
Auch der Aufsichtsratsvorsitzende der ENNI, Volker Marschmann, ist von der Idee überzeugt. „Das ist eine enorme Chance für die Region und die beteiligten Unternehmen. Diese vollkommen neue Perspektive zur Entwicklung der Energielandschaft am Niederrhein hat Stefan Krämer bewegt, über eine Verlängerung seines Engagements in Moers nachzudenken“, beschreibt er die Entwicklung der vergangenen Wochen. „Es hat Stefan Krämer enorm gereizt, gemeinsam mit Dr. Götz eine neue Struktur zu formen.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende der DEW 21, Guntram Pehlke, machte dagegen aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Wir bedauern diese Entscheidung.“
24.06.2009
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