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RP-Interview mit Dr. Thomas Götz
In einigen Kommunen überlegen Politiker ihre Stadtwerke anzuweisen, ganz auf Strom aus Atomkraftwerken zu verzichten.
Frage 1: Wie viel Atomstrom beziehen die Dinslakener Stadtwerke und woher kommt er?
Die Stadtwerke Dinslaken decken aus Kernkraft nur knapp 1/5 ihres Strombedarfs (18,6 %). Die Stadtwerke liegen damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (24,9 %). Strom wird von unserem Unternehmen langfristig im Voraus und in Tranchen bei verschiedenen Händlern oder an der Strombörse eingekauft. Zu diesem Zeitpunkt zählt der günstigste Preis. Der strukturierte Einkauf reduziert das Preisrisiko in der Beschaffung und führt dazu, dass wir unseren Kunden den Strom zu günstigen Konditionen anbieten können. Erst im Nachhinein erfahren wir von unseren Stromlieferanten, wie sich der Energieträgermix zusammensetzt, das heißt wie hoch der Anteil der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Energieträger im Bezugsjahr ist. Eine Zuordnung des Stroms zu bestimmten Kraftwerken ist nicht möglich.
Frage 2: Wäre es möglich sofort auf den Atomstromanteil zu verzichten?
Ein sofortiger Verzicht ist nicht möglich, da die Stadtwerke bereits für die Jahre 2012 und 2013 Teilstrommengen beschafft haben, die einen Anteil nuklearer Energie beinhalten werden. Wir wollen jedoch zukünftig den Anteil an Atomstrom noch deutlich reduzieren, indem wir z.B. auch fossilen Strom von unserer kommunalen Erzeugungsplattform Steag kaufen. Aber auch die Steigerung des Anteils an Strom aus erneuerbaren Energien streben wir an. In diesem Zusammenhang gehen wir davon aus, dass unsere Kunden die entsprechenden Stromprodukte nachfragen. Dabei muss man sehen, dass z.B. zertifizierter Strom aus erneuerbaren Energien ca. 5 Euro pro Megawattstunde über dem allgemeinen Marktpreis liegt. Insbesondere bei Gewerbe- und Industriekunden entscheidet jedoch derzeit meist der Preis und nicht die Zusammensetzung des Stromes. Um in diesem Segment wettbewerbsfähig zu sein, ist ein günstiger Einkaufpreis der entscheidende Faktor. Andererseits kann natürlich jeder Kunde in Dinslaken, der ein Stromprodukt ohne Kernkraftanteil will, von uns Ökostrom kaufen. D.h. auch dann, wenn wir nicht sofort vollständig aus dem Atomstrombezug aussteigen, sind wir in der Lage, entsprechende Kundennachfragen nach „atomfreiem“ Strom jederzeit zu bedienen.
Frage 3: Welche Konsequenzen hätte das für die Kunden der Dinslakener Stadtwerke?
Es bleibt abzuwarten, wie sich die höhere Nachfrage nach fossilen und erneuerbaren Energieträgern auf dem Strommarkt nachhaltig auswirkt.
Zurzeit ist es so, dass die politischen Erklärungen nach Fukushima zur Kernenergie in Deutschland und die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit der grün-roten Mehrheit, die ja einen frühzeitigen Ausstieg aus der Kernkraft implizieren, bereits zu einem deutlichen Anstieg der Strompreise auf den Beschaffungsmärkten geführt haben. Wir müssen jetzt beobachten, ob dies eine langfristige Entwicklung wird.
Frage 4: Schon heute bieten die Stadtwerke einen „Ökotarif“ an. Wie sieht der aus und wie können die Kunden, die ihn nutzen, sicher sein, dass sie tatsächlich keinen Atomstrom beziehen?
Der Preisaufschlag für unser Ökostromprodukt bei „Mein Heim – StromÖko“ beträgt im Vergleich zur (Normal-) Stromsondervereinbarung „DINfix Strom 2012“ netto 0,50 Cent/kWh und dient dazu, die Mehrkosten in der Beschaffung abzudecken. Um mit „Mein Heim – StromÖko“ einen wettbewerbsfähigen Preis darstellen zu können, haben wir uns für das watergreen-Modell entschieden. Der hierüber angebotene Strom wird in europäischen Wasserkraftwerken erzeugt und von der TÜV Nord Umweltschutz GmbH & Co. KG entsprechend zertifiziert.
Frage 5: Planen die Stadtwerke weitere Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien und können Sie schon konkret sagen welche?
Die Stadtwerke Dinslaken haben den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich voran getrieben.
In unserem Stadtwerke-Konzern betreiben wir drei Biomasseheizkraftwerke – eines davon steht in Dinslaken an der Gerhard-Malina-Straße – die zu einer erheblichen CO2-Einsparung beitragen. Allein in 2010 wurden rund 60 Mio. Kilowattstunden umweltfreundlicher Strom erzeugt, der ausreicht, um rund 15.000 Haushalte zu versorgen. Hier beträgt die CO2–Einsparung rund 108.000 Tonnen pro Jahr. An einem weiteren Biomasseheizkraftwerk in Hückelhoven sind wir mit 45 % beteiligt.
Die Stadtwerke Dinslaken werden auch zukünftig den Ausbau der regenerativen Energien fortsetzen. So werden wir bei unserer Beteiligungsgesellschaft WEP ein neues Biomasse-Heizkraft mit einem Investitionsvolumen von rund 21 Mio. Euro bauen. Die Planungen laufen bereits. Wir werden auch in Windkraftanlagen investieren und sind auf der Suche nach geeigneten Projekten. Auch sind wir dabei in hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungstechnik auf Erdgasbasis zu investieren. So bauen wir noch in diesem Jahr ein erdgasbefeuertes 2-Megawatt-BHKW an unserem Standort Lohberg. Ferner errichten wir gemeinsam mit ENNI ein erdgasbetriebenes BHKW, das Strom nach Moers liefert und die im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess erzeugte Wärme in die Fernwärmeschiene Niederrhein einspeist. Bei diesen BHKWs erzielen wir sehr hohe Gesamtwirkungsgrade von 85 Prozent.
Über die Tochtergesellschaft Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH werden rund 220.000 Haushalte, Gewerbebetriebe und öffentliche Gebäude mit umweltschonender Wärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung, Industrieabwärme und auf Basis erneuerbarer Energien für Raumheizung und Warmwasserbereitung beliefert.
Im Bereich Fotovoltaik haben wir rd. 1.000 kWP im Betrieb. Allein im Jahr 2010 haben wir an unterschiedlichen Standorten Fotovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 780 kWp in Betrieb genommen, u.a. am Heizkraftwerk Dinslaken, an der Ernst-Barlach-Gesamtschule Dinslaken, der Dorfschule Hiesfeld, am Heizkraftwerk Hückelhoven. Die CO2-Einsparung beträgt 511 Tonnen pro Jahr. An weiteren Fotovoltaik-Projekten arbeiten wir. In einer Potenzialstudie werden wir in Dinslaken mögliche neue Standorte für Fotovoltaik aufzeigen.
Sie sehen, wir sind auf gutem Wege, unseren Beitrag zur Umstrukturierung der Stromerzeugung in Deutschland zu leisten.
09.04.2011
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