Neue Kraft am Niederrhein
ENNI und Stadtwerke Dinslaken besiegeln gegenseitige Beteiligung
Die Tinte unter den Verträgen ist bereits trocken, die neue Energiekooperation am Niederrhein endgültig geboren. Am gestrigen Donnerstag besiegelten die Bürgermeister der Städte Dinslaken und Moers, Dr. Michael Heidinger und Norbert Ballhaus, gemeinsam mit den Geschäftsführern der beiden beteiligten Unternehmen, Dr. Thomas Götz für die Stadtwerke Dinslaken (SD) und Stefan Krämer für die Energie Wasser Niederrhein (ENNI), einen branchenweit beachteten energiewirtschaftlichen Schulterschluss. Unter den Augen von Notar Dietrich Hülsemann fixierten die Parteien mit der Konsortial- und der sogenannten Anteilstausch-Vereinbarung die Eckpunkte ihrer zukünftigen Partnerschaft. Die Kommunalpolitik hat damit die seit Sommer angestrebte gegenseitige fünfprozentige Gesellschaftsbeteiligung umgesetzt. Durchaus stolz sprachen die Bürgermeister so unisono von der neuen Kraft am Niederrhein, die die Bedeutung beider Stadtwerke für die Region nachhaltig sichere. „Die Politik hat parteiübergreifend im Sinne der hier lebenden Menschen entschieden und dabei auch jegliches Parteikalkül im Wahljahr ausgeblendet.“ Insgesamt stärke der neue Weg die Position im rauen Marktklima, ermögliche eine dauerhaft günstige Preispolitik und sichere nachhaltig die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung am Niederrhein und speziell in Moers und Dinslaken. „Das sind unsere ausgegebenen Zukunftsziele.“
Branche horcht auf
elbst Branchenkenner zeigen sich von dem Tempo der neuen Partnerschaft überrascht. Die politischen Entscheidungsträger haben hüben wie drüben aber die aktuell attraktive Perspektive zur Entwicklung der Energielandschaft am Niederrhein erkannt und der Kooperation zugestimmt. Hierdurch sind beide Unternehmen gemeinsam mit nun mehr als 160000 Kunden in die erste Energieliga des Niederrheins aufgestiegen. Dr. Thomas Götz und Stefan Krämer wissen
dass dies Erwartungen schürt. Davor ist den Energieexperten aber nicht Bange. Ihr Erfolgsgarant: die Partnerschaft auf Augenhöhe. „Die Ausgangsposition ist ideal“, sieht Dr. Götz beide Unternehmen stark aufgestellt, mit günstigen Preisen und positiven Unternehmensergebnissen. Ähnlich sieht es sein Pendant Stefan Krämer, der eine Kooperation wegen steigender Risiken und einem wachsenden Kapitalbedarf für existenziell hält. „Es ist sinnvoll, den steigenden Druck im Energiemarkt und durch immer stärkere gesetzliche Regulierung auf mehrere Schultern zu verteilen. Auch wenn man das in der Branche nicht gerne hört: Für Unternehmen unserer Größenordnung wird es alleine zunehmend schwerer, den Spagat zwischen günstiger, sicherer Versorgung und attraktiver Rendite zu bewältigen.“
Blick über den Tellerrand
Am Niederrhein ist es somit nicht bei den so häufigen Lippenbekenntnissen der Branche geblieben. Hier hat die Politik jegliches Kirchturmdenken abgelegt. Ein Grund: SD und ENNI hatten über Jahre positive gemeinsame Erfahrungen in der Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH und zuletzt auch beim Bau des ersten Biomasse-Heizkraftwerkes auf Moerser Boden gesammelt. „Wir sind auf ein intensives Vertrauensverhältnis in den Gremien, bei den Geschäftsführern und den Mitarbeitern gestoßen“, spricht Stefan Krämer daher gerne vom gemeinsamen Verständnis über den Markt und dessen Entwicklung. Auch die vergleichbaren Unternehmensgrößen und Unternehmenskulturen halfen. Weiterer Erfolgsgarant: die räumliche Nähe. „Die Politik hat hier den Blick über den Rhein nie gescheut“, bestätigt auch der neue Dinslakener Bürgermeister Dr. Michael Heidinger. Nach dem Anteilstausch soll es nun Schritt für Schritt weitergehen. Schon jetzt werden Gremien im jeweils anderen Unternehmen verzahnt. „Dadurch wollen wir diese schnell informativ einbinden“, beschreibt Norbert Ballhaus das politische Ziel. „Hier zu gehört auch, dass sich die Geschäftsführer ergänzen und vertreten.“
Attraktive Arbeitgeber
Dr. Thomas Götz und Stefan Krämer wollen in wenigen Monaten erste Vorteile der Kooperation präsentieren. Ausgegebene Ziele: Kräfte bündeln und auf die Stärken des jeweils anderen Partners setzen. „Doppelarbeit wollen wir vermeiden und nur auf profitable und nachhaltige Projekte setzen“, beschreibt Dr. Götz Prämissen. Bereits jetzt läuft ein sogenanntes Synergieprojekt, in dem alle bisherigen Aktivitäten auf den Prüfstand stehen. „Hier analysieren wir Prozesse und ermitteln Verbesserungs- und Wachstumspotentiale“, so Krämer zur Strategie. Nach eigenem Bekunden ist die Arbeitsatmosphäre dabei auf allen Ebenen bestens. „Wir haben uns kennen und schätzen gelernt“, sprechen Krämer und Götz auch für ihre Mitarbeiter. Die dürfte es freuen, dass es nicht zu einem Arbeitsplatzabbau kommen soll. Im Gegenteil: „Die Mitarbeiter werden profitieren“, ist Krämer sicher. „Die Arbeitsplätze werden nicht nur sicherer. Vielmehr wird es neue Aufgaben mit neuen, interessanten Perspektiven geben.“
03.12.2009
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